Kein Monatsticket im Abo für Alg-II-Empfänger
Langzeitarbeitslose bekommen den Bonn-Ausweis nur halbjährlich ausgestellt und haben so keinen Anspruch auf Abo-Tickets für Bus und Bahn. Die Familienkasse ist nur schwer zu erreichen.
„Es sind immerhin 43,40 Euro im Jahr, die ich sparen würde", sagt Thomas Drescher. Der gelernte Verwaltungsjurist ist auf Jobsuche und muss zurzeit mit 345 Euro Arbeitslosengeld II (Alg II) klarkommen - da freut er sich über jeden gesparten Euro. Sein Problem: Als Alg-II-Empfänger steht ihm zwar ein Bonn-Ausweis und damit auch 50-prozentige Ermäßigungen bei Zeitfahrscheinen für Bus und Bahn zu. Weil er jedoch halbjährlich sein Alg II und damit auch den Bonn-Ausweis beantragen muss, hat er keine Möglichkeit, ein Monatsticket im Abo zu kaufen. Das bekommt er nämlich nur mit einem Bonn-Ausweis, der ein Jahr gilt. Und damit würde Drescher beim Formel-9-Ticket im Abo jährlich die oben genannten 43,40 Euro sparen. Seiner Meinung nach liegt es an der ARGE, die sich „weigert, das Problem anzugehen". Würde sie einen Ermessensspielraum nutzen, könnten viele tausend Alg-II-Empfänger Geld sparen, meint er.
Dieter Liminski, ARGE-Geschäftsführer, argumentiert hingegen, dass Hartz IV gar keine anderen Möglichkeiten zuließe, als sich an den halbjährlichen Turnus zu halten: „Der Geist des Sozialgesetzbuches verlangt ja eben den ständigen Druck der Vermittlung." Mit der Bewilligung von einem Jahr würde man die Absichten der Arbeitsmarktreformen hintertreiben.
Auch auf die Agentur für Arbeit sind einige Bonner zurzeit nicht gut zu sprechen. „Keine Verbindung unter dieser Nummer", heißt es seit Wochen am Telefon der Familienkasse. Inge Still hatte eigentlich nur eine kurze Anfrage, wie sie dem GA berichtete. Doch statt der Auskunft bekam sie wie eine andere GA-Leserin auch immer nur diese Bandansage zu hören. Frustriert versuchte Still per E-Mail Antwort auf ihre Frage zu erhalten. Doch auch hier Fehlanzeige. Die Verzögerungen erklärt Renate Rondorf, Leiterin der Familienkasse: „Wir befinden uns momentan in einer Phase der Umstrukturierung. Die telefonische Erreichbarkeit wird zurzeit auf fünf bis sechs Call-Center bundesweit umgestellt. Daher kann es da momentan zu Problemen kommen." Dass auch unter der neuen Nummer die Ansage „Zurzeit ist diese Nummer nicht erreichbar" zu hören ist, habe mit der Häufigkeit der Anfragen zu tun. „Wenn die Nummer zu sehr belastet ist, filtert die Telekom. So wird gewährleistet, dass aus jedem Vorwahlgebiet gleichmäßig Antragsteller durchkommen." Dass die Bandansage dies nicht erklärt, wie Inge Still kritisiert, findet auch die Leiterin der Familienkasse bedauerlich. „So bleibt der Anruf aber kostenfrei", erklärt sie. Da die Familienkassen nun zum Kindergeld auch die Bearbeitung der Kinderzuschlagsanträge übernommen haben, seien Verzögerungen unvermeidbar. „E-Mails", so Rondorf, „werden bei uns als Post betrachtet. Die Bearbeitung von Postanfragen dauert zurzeit drei bis vier Wochen". Antragsteller könnten aber auch persönlich vorbeikommen, sagt Rondorf. Sie rechnet damit, dass die Maßnahmen zur Umstrukturierung im Frühjahr/Sommer kommender Jahres abgeschlossen sein werden.
Quelle: Generalanzeiger Bonn 7.12.2005

